Draußen vor der Tür

von Wolfgang Borchert

Das vielleicht erste und womöglich authentischste Stück „Trümmerliteratur“ ist das einzige Drama von Wolfgang Borchert: „Draußen vor der Tür“. Vor 74 Jahren von seinem schon schwer erkrankten Autoren fertiggestellt, teilt es heute das Schicksal der ihm vorangegangenen Zeit des nationalsozialistischen Terrors. Seine Zeitzeugen sind bis auf wenige mittlerweile alle verstorben. Der Aufschrei gegen das Vergessen, der es sein sollte, ist heute mehr als das, er ist gleichzeitig auch zum Teil unserer Erinnerungs- und Aufarbeitungskultur geworden.


Im Angesicht des Wiedererstarkens revisionistischer und populistischer Tendenzen, sogar innerhalb des deutschen Parlaments, untersucht das Theaterkollektiv con<>form Wolfgang Borcherts Drama auf seinen Konflikt zwischen denen, die sich entschieden haben, dass „es“ aus und vorbei ist und womöglich auf den Müllberg der Geschichte gehört und dem Kriegsheimkehrer Beckmann, für den es kein Aus und Vorbei geben kann, niemals geben wird. Ohne das Drama aus seinem historischen Kontext zu lösen, mit dem Text, Autor und Figuren untrennbar verbunden sind, verdichtet des Theaterkollektiv den Text zu einem klaustrophobischen Fiebertraum, in dem Beckmann, der ewige Mahner und Neinsager wie es scheint mit der ganzen Welt um die eigene Ermächtigung zur Selbstbestimmung ringt.


Das Regieteam Fabian Appelshäuser und Antonia Leitgeb bilden gemeinsam mit Julia Tyrakowska das Theaterkollektiv con<>form, das sich in seinen Arbeiten mit der Verbindung aus installativen Raumkonzepten und performativem Sprachdestillat auseinandersetzt.

Besetzung

Inszenierung con<>form
Bühne con<>form
Kostüme con<>form
Lichtregie Klaus Bröck
Dramaturgie Fabian Appelshäuser / Victor Pohl
Theaterpädagogik Christin Schmidt

Presse

"In der packenden und gestrafften Inszenierung von Fabian Appelshäuser und Antonia Leitgeb (Team: con<>form) ist Beckmann noch viel mehr als ein Kriegsheimkehrer. Er bleibt der körperlich und seelisch verwundete ehemalige Soldat [...], doch er ist gleichzeitig der Mensch, wie er im Hier und Jetzt existieren könnte. Subtil und vorsichtig, ohne mahnenden Zeigefinger, schlägt das Regieteam die Brücke in die Gegenwart, verortet den Menschen Beckmann in der heutigen Zeit."

"[Eine] unglaublich starke Leistung der Schauspieler, die 60 Minuten lang packende und fesselnde Emotionen präsentierten. So eindrucksvoll, dass erst einmal lange, sehr lange, Totenstille in der ausverkauften Reithalle herrschte, bevor der Jubel mit Bravorufen losbrach. Eine Inszenierung, die man sich unbedingt ansehen sollte!"

Neue Presse, 04. Oktober 2021

Tobias Bode [...] spielt diesen Beckmann mit fatalistischem Ernst und intensiver Ausdruckskraft. In wechselnden weiteren Rollen: Juliane Schwabe, Frederik Leberle, Marina Schmitz und Nils Liebscher. Dem Künstler-Quartett gelingt eine einfühlsam differenzierte, dabei prägnant charakterisierte Darstellung."

„Draußen vor der Tür“ – in dieser eindringlichen Inszenierung auch heute noch ein Schauspiel, das das Publikum spürbar in seinen Bann zieht."

Coburger Tageblatt, 04. Oktober 2021