Wahrheit suchen...

Lesung zum Gedenkjahr "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland"

VERSCHOBEN AUF 2022!

Der eine Sohn eines Tora-Schreibers und gläubiger Jude, der andere evangelischer Pfarrerssohn und Theologiestudent, verband die beiden gleichaltrigen glühenden Verfechter der Aufklärung, die sich 25-jährig in Berlin begegnen, eine lebenslange Freundschaft.  Anlässlich des Festjahres „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ bringt das Landestheater in Kooperation mit der Evangelischen Erwachsenenbildung Oberfranken-West eine Lesung aus dem Briefwechsel des Philosophen Moses Mendelssohn mit dem Dramatiker Gotthold Ephraim Lessing.


Schon früh wagte Mendelsohn, der aus der jüdischen Schrift- und Gelehrtenkultur kam, den Blick über den Tellerrand, lernte andere Sprachen und begann sich in die christlich geprägten Wissenschaften einzulesen. Mendelsohn wurde zum Begründer der jüdischen Aufklärung, der konstatierte, dass religiöse Minderheiten wie die Juden, aber auch Mitglieder ethnischer und nationaler Minoritäten ein universal verbrieftes allgemein menschliches Recht auf ihre Einzigartigkeit und Besonderheit hätten. Auch die Dramen und theoretischen Schriften Lessings, einem der bedeutendsten Dichter der Aufklärung, sind in erster Linie dem Toleranzgedanken verpflichtet. Er drang darauf, die Dinge stets von mehreren Seiten zu betrachten und auch in den Argumenten des Gegenübers nach Spuren der Wahrheit zu suchen. In seiner Figur „Nathan der Weise“ setzte Lessing dem Freund Moses Mendelssohn ein literarisches Denkmal.


„Meine Motivation diese Lesung zum Festjahr ,1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland´ beizutragen, ist die bittere Erkenntnis, dass Antisemitismus nach wie vor in unserer Gesellschaft existiert,“ so Intendant Bernhard Loges. „Gerade die jüngeren Anschläge von Hanau und Halle zeigen die alarmierende Dimension. Wir möchten ein Zeichen setzen für Vielfalt und Toleranz. Als mich der Pfarrer Dieter Stößlein – das ist der Referent der evangelischen Erwachsenenbildung Oberfranken-West – bezüglich eines Beitrags ansprach, fiel mir sofort der Briefwechsel zwischen Moses Mendelssohn und Gotthold Ephraim Lessing ein, der ein wunderbares Zeugnis dafür ist, wie Bevölkerungsgruppen sich verstehen können und wie selbstverständlich ein Austausch auf hoher philosophischer und hoher empathischer Ebene über das Zusammenleben von Menschen erfolgen kann.“


Gemeinsam entwickelten Lessing und Mendelssohn Ideen und Utopien für eine humane, tolerante Gesellschaft, in der die Vorurteile und Barrieren zwischen verschiedenen Glaubens- und Lebensformen überwindbar werden sollten. Ihre Freundschaft steht damit am Beginn der deutsch-jüdischen Verständigung.


Die Lesung wird gestaltet von Bernhard Loges und der Schauspielerin Juliane Schwabe.