Tschechows Drei Schwestern

Per Olov Enquist | Deutsch von Angelika Gundlach

Anton Tschechow erzählt in seinem meist gespielten Stück von der vergeblichen Suche nach einem sinnerfüllten Leben. Immer träumten die drei Schwestern Olga, Mascha und Irina Prosorow davon, wieder nach Moskau, an den Ort ihrer Kindheit, zurückzukehren. Als ihr Vater als General das Kommando über ein Bataillon in einem Städtchen fernab von Moskau übernahm, zogen die Kinder mit ihm – ihre Mutter war da schon längst verstorben – in die Provinz. Olga, die älteste der drei Schwestern, wurde Lehrerin, ein Beruf, der sie nicht ausfüllt. Die mittlere der drei Schwestern, Mascha, verliebte sich in jungen Jahren in ihren Gymnasiallehrer Kolygin, doch die Liebe verflog und nun verharrt sie in einer unbefriedigenden Ehe. Für die jüngste der drei Schwestern, Irina, leuchtete die Welt an jenem fünften Mai, als alles anfing, in hellen Farben. Damals, genau ein Jahr nach dem Tod des Vaters, schien für sie der Moment zum Greifen nah für einen Aufbruch in ein neues Leben durch Arbeit oder die große, romantische Liebe. Und dann gab es noch ihren Bruder Andrej und seine Ambitionen auf eine Professur in Moskau.


Hochqualifiziert und voller Pläne scheitern alle vier Geschwister an ihrer eigenen Lebensunfähigkeit. Anton Tschechow begleitet die vier Geschwister über eine lange Zeitspanne: Als die Handlung einsetzt, ist die Jüngste gerade mal zwanzig Jahre alt und alle sind sie noch voller Hoffnung und Elan. Doch die Jahre machen sie mürbe und ihr Ruf „Nach Moskau, nach Moskau!“ wird zur leeren, mantrahaft wiederholten Beschwörungsformel. In seiner Nachdichtung „Tschechows Drei Schwestern“ denkt Per Olov Enquist die Geschichte der drei Schwestern vom Ende her. Was hat sie zurückgehalten? Warum haben sie ihre Wünsche und Sehnsüchte nie verwirklicht und den Moment verpasst, ihrem Leben eine andere Wendung zu geben.


Die in Coburg geborene Karin Drechsel, seit 1991 als freiberufliche Regisseurin u.a. in Hannover, Salzburg, Ulm und Frankfurt tätig und zugleich auch Dozentin an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt und am Mozarteum in Salzburg, inszeniert „Tschechows Drei Schwestern“ am Landestheater Coburg.

Besetzung

Inszenierung Karin Drechsel
Bühne und Kostüme Nikolaus Porz
Musikalische Einstudierung Dominik Tremel
Video und Ton Constantin Eckhardt
Dramaturgie Carola von Gradulewski

Olga Eva Marianne Berger
Mascha Alexandra Weis
Irina Solvejg Schomers / Marie Nest
Andrej Alexander Tröger
Kuligyn Nils Liebscher
Solyoni Thomas Kaschel
Tusenbach Valentin Kleinschmidt
Werschinin Cornelius Schwalm
Tschebutykin Niklaus Scheibli
Natascha Diana Ebert
Olga Christa Fedder / Elvira Nettelroth
Mascha Elly Xenia Jurgan / Beate Kittel
Irina Gitta Hofrichter / Ulrike Heckel-Fischer

Presse

„Für diese große Szenerie der Erinnerung wie der Zukunftssuche hat Karin Drechsel ein wunderbares, großes Ensemble zur Verfügung. Man spürt, dass alle in der heiter-ironischen, doch umso schmerzlicheren Sinnsuche aufgehen und die Zuschauer mit sich nehmen. Eva Marianne Berger als Olga, die tragisch aufrechte Ältere, Alexandra Weis als Mascha, die Aufbegehrende, Trotzige, und Marie Nest als Irina, die lieber darauf wartet, dass sie den Richtigen dereinst in Moskau suchen will, statt den sie liebenden Tuschenbach (Valentin Kleinschmidt) zu nehmen. Um das innig-komplizierte Schwesterntrio kreisen die weiteren Gefangenen dieser Welt, nicht minder packend charakterlich ausgeformt [...].“
Coburger Tageblatt, 04. März 2019

„Regisseurin Karin Drechsel demaskiert derweil ihre Seelen bis ganz normale Menschen zum Vorschein kommen, die ihr Leben ganz normal vergeigen. Das ist tragisch und komisch, weit komischer, als zu erwarten, und viel turbulenter: Slapstick und Situationskomik trauen sich bis zur Trashgrenze, trotzdem erstickt das wunderbar dynamisch und lakonisch aufspielende Ensemble die Tragikomödie nicht im Klamauk einer Zeitgeist-Revue. Bei aller schrägen Satire vermeidet Drechsel vernichtende Ironie und nähert sich den Figuren, die ihr Glück partout nicht zu fassen bekommen, weder mit Mitleid noch mit Häme, sondern mit einer Grundsympathie.“
Neue Presse, 04. März 2019