Der Tag, an dem Coburg die Welt gerettet hat

Uraufführung einer Coburger Stadtgeschichte
von Katharina Ramser und Fabian Appelshäuser

Audioeinführung zu "Der Tag, an dem Coburg die Welt gerettet hat", gesprochen von Victor Pohl

Vor dem Hintergrund der ganz eigenen und sehr wechselvollen Stadtgeschichte Coburgs hat Katharina Ramser zusammen mit Fabian Appelshäuser ein Theaterstück verfasst, welches sich mit ausgewählten historischen Figuren und mit Ereignissen der Zeit zwischen 1919-1937 in Coburg beschäftigt. Dabei konzentriert sich das Stück auf drei Erzählstränge.


Im ersten Erzählstrang geht es um die völlig konträren Lebensgeschichten Carl Eduards und Pater Odos. Herzog Carl Eduard von Sachsen Coburg und Gotha sympathisiert mit deutschnationalen Kreisen, wird 1933 Mitglied der NSDAP und ist als Präsident des deutschen roten Kreuzes in alle Gräueltaten des nationalsozialistischen Regimes eingeweiht. Der württembergische Herzog Carl Alexander tritt dem Benediktinerorden bei, wo er den Namen Pater Odo erhält. Odo ist ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus, unterstützt seine jüdischen Mitbürger und versorgt den englischen Geheimdienst mit Informationen über die nationalsozialistischen Verstrickungen von Edward IIX. und dessen Frau Wallis Simpson.


Der zweite Erzählstrang handelt von der fast märchenhaften Liebesgeschichte des jüdischen Geologen Rudolf Kaufmann und der schwedischen Versicherungskauffrau Ingeborg Magnusson. Im dritten Erzählstrang wird von der Freundschaft zweier völlig unterschiedlicher Coburger Bürger erzählt. So ist Elias Sternberg überzeugter Monarchist und ein Anhänger des Kaisers, sein Freund Friedrich Hausmann wiederum ist Mitglied der Coburger Stadtregierung und als Parteimitglied der SPD Anhänger der Weimarer Republik.


 


iTV berichtete zur Premiere:



 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


Der Fokus dieses Stückes liegt ganz klar auf der Sicht der Opfer und der Opposition; also auf Menschen, die im Nationalsozialismus keinen Platz mehr in der Gesellschaft hatten. Obwohl das Stück zu ca. zwei Dritteln auf wahren Lebensgeschichten und historischen Fakten beruht, gleitet die Erzählweise mit zunehmendem Handlungsverlauf in die Welt der Fiktion. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wahre historische Ereignisse umgedeutet oder diese gar relativiert werden sollen. Im Gegenteil! Wir alle kennen den Ausgang des Zweiten Weltkrieges und die grauenvollen Verbrechen durch die Nazis an den europäischen Juden. Wir alle kennen diese schreckliche Zensur für die Weltgeschichte. Doch wo, wenn nicht im Theater sollte es erlaubt sein, neben der Vergangenheitsbewältigung auch über Utopien nachzudenken?


In dieser „Uraufführung einer Coburger Stadtgeschichte“ werden historische Fakten mit so viel Fantasie gemischt, dass man sich am Ende wünscht, so und nicht anders hätte sich die Weltgeschichte damals entwickelt. Im Stück formuliert es Elias Sternberg einmal so: „Wer auf Illusionen verzichtet, ist bereit, sein Leben wegzuschmeißen.“


 

Besetzung

Inszenierung: Katharina Ramser
Bühne und Kostüme: Stefanie Liniger
Video: Thomas Bernhard
Dramaturgie: Victor Pohl

Presse

"Katharina Ramser und das in vielen wechselnden Rollen ebenso engagiert wie prägnant agierenden Darsteller-Ensemble wollen nicht belehren, sondern berühren. Und berührend ist das szenische Resultat in der Tat..."

"Coburg in der NS-Zeit – das ist ein Thema, das lange Zeit weitgehend verdrängt wurde und in gar manchen wichtigen Punkten noch immer beschönigt wird. Aber nicht nur deshalb ist diese Uraufführung [...] ein wichtiges Zeichen. Vielmehr lenkt der intensiv gespielte Abend auch den Blick auf die Mechanismen, die den Aufstieg eines solchen diktatorischen Regimes überhaupt erst möglich gemacht hatten. Coburg als Heimatstadt eines Hitler-Attentäters, der nicht nur den Mut zur Tat, sondern auch Erfolg bei seiner Tat hatte – eine schöne Utopie, unbedingt sehenswert."

Coburger Tageblatt, 17.04.2022

"Wandlungsfähigkeit und Ausdrucksstärke beweisen die sieben Schauspieler*innen in den 19 Rollen dieses packenden Ensemblestücks. Vor allem tragen sie in Katharina Ramsers sensibler Inszenierung mit spürbarem Engagement dazu bei, Geschichte zu verstehen – um aus ihr zu lernen. In Zeiten, in denen rechte Demagogen immer mehr Gehör finden, ist das dringlicher denn je."

Neue Presse Coburg, 18.04.2022