4.48 Psychose

Schauspiel von Sarah Kane | Deutsche Übersetzung von Durs Grünbein

Um 4.48 Uhr beginnt die kurze Zeitspanne – exakt eine Stunde und 12 Minuten – zwischen zwei Medikamentengaben, eine Zeitspanne voller Klarheit, aber auch voller Schmerz. In ihrem poetisch verdichteten Text „4.48 Psychose" entäußerte sich die britische Autorin Sarah Kane (1971-1999) in all ihrer Verzweiflung und ihrer Sehnsucht. Gespräche mit Therapeuten und Ärzten, rätselhafte Zahlenkolonnen, exakte Beschreibungen der Nebenwirkungen der Psychopharmaka, mit denen sie behandelt wurde, und lyrische Passagen, in denen sie ihren Gefühlen der Isolation und Entfremdung Ausdruck verleiht, folgen unvermittelt aufeinander in einem Text, der keine Rollenzuteilungen oder Regieanweisungen kennt.

In schonungsloser Offenheit gibt die Autorin, die in den 90er Jahren zur radikalsten und bedeutendsten Dramatikerin ihrer Generation avancierte und das Theater mit der Wucht ihrer Texte revolutionierte, die Innenschau einer Depression preis. Kurze Zeit, nachdem Sarah Kane das Stück ihrem Verleger übergab, nahm sie sich das Leben. Es ist kaum möglich, sich ihrem Text anzunähern und ihren Suizid auszublenden, aber in Zeiten, in denen Depression und andere psychische Erkrankungen längst die Statistiken anführen, weist Kanes Text weit hinaus über ihre individuelle psychische Verfasstheit.

Der Regisseur und Schauspieler Axel Sichrovsky hat sich dem Coburger Publikum bereits 2016 mit seiner hochgelobten Inszenierung von Elfriede Jelineks „Wut" vorgestellt. Nun lotet er die psychologische und poetische Dimension dieses furiosen Sprachkunstwerks aus.

Besetzung

Inszenierung Axel Sichrovsky
Bühne und Kostüme Katrin Wittig
Dramaturgie Carola von Gradulewski

Valentin Kleinschmidt
Eva Marianne Berger
Solvejg Schomers
Musiker Gustavo Strauß
Zeichnerin Karin Ellmer

 

Presse

„Axel Sichrovskys Regie hütet sich zum Glück vor jeder naturalistischen Direktheit. Vielmehr bricht die Regie die bedrückende Kälte des beinahe leeren klinischen Raumes immer wieder auf, setzt auf fast slapstickartige Zuspitzung. Vor allem aber findet er überraschend poetische Bilder in einer Welt voller Todesangst und Todessehnsucht.“
Coburger Tageblatt, 03. Dezember 2018

„Nicht nur diesen Slalom der Emotionen meistern die drei Darsteller mit Bravour: Eva Marianne Berger, Valentin Kleinschmidt und Solvejg Schomers springen zwischen den Sphären, den Tonarten, den Wahrnehmungen, sie wechseln permanent die Perspektive, sind Patientin, Therapeut, Freund in dieser kunstvoll komponierten 90-Minuten-Collage.“
Neue Presse, 03. Dezember 2018