Auch wenn Patrick Süskinds „Der Kontrabass“ von einem Schauspieler interpretiert wird und keinerlei Arien oder sinfonische Zwischenspiele enthält ist es eigentlich eines der großen Musikdramen unserer Spielzeit – und daher ein Muss für jeden Musikfreund – weil es um den Kern des Musizierens geht und damit um den Kern der Kunst. Schauspielfreunde kommen ebenfalls auf ihre Kosten, weil der Text die Musik als Anlass nimmt und den Menschen hinterfragt. Den Handwerker im Künstler, den verzweifelten Liebenden, den bewunderten Nachbarn, der einen exotischen Beruf ausübt, aber in seinem Herzen die Sehnsucht nach etwas „Normalem“ trägt.
Süskind hat eine literarisch-musikalische Frechheit im 90-Minuten-Spielfilmformat geschaffen, die zu einem modernen Klassiker des Theaters geworden ist. Dabei ist „Der Kontrabass“ im Gegensatz zum beschriebenen Musikinstrument nicht groß und warmherzig, sondern klein und gemein.
„Der Kontrabass“ nimmt vordergründig den Musikbetrieb aufs Korn, wo man den Nachwuchs eher auf Virtuosität und Funktionieren denn auf Kreativität und Ausdrucksstärke trimmt und der „Musikant“ gleichwohl vom „Künstler“ mit Verachtung gestraft wird. Aber Süskind schuf mit seinem Solo auch eine Parabel auf das Leben als „Rädchen im Getriebe“ und auf den „Spießer im Gewand des Künstlers“. All das lässt uns ins Grübeln kommen und beim nächsten Opernbesuch wie die Kinder vorn an die Brüstung treten, um in den Orchestergraben des Lebens zu blicken, der Haifischbecken und Naturschutzgebiet in einem ist. Hier spielen sich mindestens so bedeutende Dramen ab wie oben auf der Bühne.
"Stumme Blicke, sprechende Gesten, die längst zum Ritual gewordenen Handgriffe,mit denen er sich eine neue Flasche Bier öffnet – all das spielt Mertl mit großer Genauigkeit und einem faszinierenden Reichtum an Nuancen. Der Balanceakt am Rande des Abgrunds wird in Mertls Darstellung zum höchst intensiven Kammerspiel, das stets in der Schwebe bleibt zwischen Komik und Tragik. Genau damit aber dürfte „Der Kontrabass“ zum ersten Publikumsrenner der noch jungen Saison werden."