Wut

Schauspiel von Elfriede Jelinek

So, jetzt noch mal tief durchatmen. EsistdocheineunglaublicheSauereidassdieseTerroristenunsereArt desZusammenlebenseinfachmiteinpaarKalaschnikowskaputtschießen
mankönnteheulenundverrücktwerdenundmussdocheinfachzusehen
dassdiePopulistendarausauchnochGewinnschlagen.

Sie können noch folgen? Gut, oder besser nicht gut. Wie soll man schließlich mit gesetzten Wörtern beschreiben, wie Elfriede Jelineks Stück „Wut" funktioniert? Wie den Furor von der Leine lassen, der diesen Theaterabend antreibt wie ein V-8-Motor im Rasenmäher? Die Auslöser, „Wut" zu schreiben, waren für die hoch dekorierte und immer wieder unbequeme Autorin die Attentate auf die Redaktion der französischen Satirezeitung „Charlie Hebdo" und der parallel verübte Terrorakt in einem koscheren Pariser Supermarkt vor nun mehr als eineinhalb Jahren. Und was geschah nicht noch alles bis zur Uraufführung von „Wut" im April 2016 an den Münchner Kammerspielen? Noch einmal Paris, zweimal Brüssel und unzählige Attentate in der Türkei, in Syrien, Ägypten, im Irak und in Afghanistan. Wut ist natürlich nicht die Lösung. Aber wütend kann man sich Dinge an den Kopf werfen, die man bei normalem Adrenalinspiegel nicht aussprechen würde.

Und im Theater arbeiten Menschen, die solche Ausbrüche reproduzieren können, für uns, die vielleicht nicht immer die richtigen Worte und Antworten auf unglaubliche Taten finden. „Wut" ist nicht die Lösung, aber „Wut" gibt unserem Entsetzen eine Stimme. Daher: Stellen Sie sich dieser Triebabfuhr, und atmen Sie vorher noch einmal kräftig durch.

Inszenierung Axel Sichrovsky
Bühnenbild und Kostüme Michael Greassner, Moritz Nitsche
Musik Oliver Baesler
Dramaturgie Carola von Gradulewski

Mit
Eva Marianne Berger
Sarah Zaharanski
Nils Liebscher
Thorsten Köhler
Oliver Baesler

Pressestimmen

Ein starkes Stück Theater. (...) Grob zusammengefasst geht es Jelinek (...) um den Versuch, sich jener "Wut" zu nähern, die Menschen dazu bringt, eines Gottes wegen massenweise andere Menschen zu eben dem ihren zu schicken."
Coburger Tageblatt, 5. Dezember 2016

"Wir befinden uns in einem obskuren Laboratorium, dessen Mitarbeiter sich redlich und beredt bemühen, dem eskalierenden Phänomen Wut auf die Spur zu kommen, dem Fanatismus, dem Terror. (...) Das Stück geht in die Luft."
Neue Presse, 5. Dezember 2016