Das Interview

Schauspiel von Theo van Gogh

Was hören die Toningenieure beim Fernsehen da nicht alles aus allernächster Nähe und dürfen sich nichts anmerken lassen: „Es ertrinken Flüchtlinge, und die EU schaut zu." Heribert Prantl von der „Süddeutschen Zeitung" bewegt in Günther Jauchs Talkshow gerade durch sein Entsetzen über eine neue Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer, während auf einem anderen Kanal darüber gestritten wird, ob das neue Big-Brother-Format „Newtopia" wirklich realistisch sei. Das ist die Hintergrundmusik, zu der dieser Text steht.

Eigentlich hat sich nichts geändert, seit der 2004 von einem Islamisten ermordete niederländische Publizist Theo van Gogh seine Medienkritik in dem Stück „Das Interview" zum Ausdruck gebracht hat. Seine Art des Journalismus nahm kein Blatt vor den Mund – das
wurde ihm zum Verhängnis. Und in dieser Konsequenz verurteilte er auch die Branche, in der er arbeitete. Im Schauspiel „Das Interview" lässt van Gogh einen ehemaligen Kriegsberichterstatter auf ein Soap-Opera-Starlet treffen. Während „draußen" Weltpolitik vonstattengeht, ist der Journalist verdammt, ein Thema zu behandeln, das ihn anekelt. Entsprechend geht Pierre Peters mit der Schauspielerin Katja Schuurman um und provoziert einen verbalen Schlagabtausch, der es in sich hat.

Aufgeworfen wird einmal mehr die Frage, was unsere Medien können und was sie sollen. Dies ist eine wichtige Frage, da Medienmacher nicht nur Meinungsbildner, sondern auch Manipulatoren und Mehrheitsverblöder sein können. Aber Vorsicht: Nicht immer weiß man, wer dabei welche Rolle spielt.

Inszenierung Frederik Leberle
Bühnenbild und Kostüme Udo Herbster
Dramaturgie Dirk Olaf Hanke, Denise Burkhardt

Katja Sarah Zaharanski
Pierre Nils Liebscher

Pressestimmen

"Knapp anderthalb Stunden absolut fesselnd ist das Kammerspiel (...), vor allem in der Form, in der es Frederik Leberle in der Reithalle inszeniert hat."
Coburger Tageblatt, 28. September 2015

"Mit intensivem Spiel zeichnen Nils Liebscher und Sarah Zaharanski Psychogramme zweier einsamer Medienprofis und ihrer professionellen Deformationen."
Neue Presse, 28. September 2015